“A Serious Man”

Quelle: www.kino-zeit.de

Quelle: www.kino-zeit.de

A Serious Man” ist einer der Filme, bei denen sich wieder mal die Geister scheiden. Richtig geil bis richtig scheiße – ich hab jetzt schon alles gelesen/gehört.

Nun muss man natürlich sagen, dass die Coens üblicherweise nicht den Mainstream treffen, sondern sehr eigene Filme machen. Was auch gut ist, denn sonst hätten wir solche Goldstücke wie “The Big Lebowski” oder “Burn after reading” nicht. Aber das ist nun mal eine besondere Art von Humor und Blickwinkel. Das mag nicht jeder. Hier sei es gleich gesagt- ich fand ihn gut, aber mit Einschränkungen.

Die Story ist schnell erzählt, denn eigentlich geht es nur um das Leben und seine Abgründe, die sich täglich auftun können (und es hier auch mit Freude der Reihe nach tun).
Larry Gopnik, ein jüdischer Professor für Physik, lebt mit Frau und zwei Kindern ein recht normales Leben in einem amerikanischen Vorort. Bis seine Frau ihm mitteilt, dass sie sich scheiden lassen will, weil sie und Sy Ableman sich näher gekommen sind. Nun ja, das ansich passiert ja recht häufig und gibt vielleicht noch nicht so viel her, aber die Würze dieses Films liegt in der jüdischen Betrachtungsweise. Also die Art und Weise, wie sich Larry versucht Hilfe zu holen.

Quelle: www.bigmediadaily.com

Quelle: www.bigmediadaily.com

Neben dem Ehedrama bahnt sich aber auch weiteres Ungewitter an. Er selbst hofft auf eine Festanstellung, die eher schwierig zu kriegen sein könnte, sein Sohn steht kurz vor der Bar Mitzwa, raucht aber lieber Haschisch und hört Rockmusik, seine Tochter nervt sowieso alles und sein lebensunfähiger Bruder muss ebenfalls noch versorgt und vor der Polizei (oder sich selbst) beschützt werden. Davon ab ist sein Leben aber ganz ok. :-P

Der Witz liegt in diesem Film nicht an der Oberfläche. Klar, es gibt Szenen, in denen man lachen muss, weil sie offensichtlich lustig sind, aber im Grunde steckt viel mehr fieser Humor zwischen den Zeilen.
Schön finde ich persönlich auch, dass so viel religiöse Anspielungen drin sind, die ich allerdings auch nicht immer sofort erkannt habe. Was schade ist, denn ich mag ja auch genau sowas, aber leider kenn ich mich zu wenig mit jüdischem Glauben aus. Egal, es tut dem Film keinen Abbruch, wenn man das nicht weiß, hellt aber vieles auf, wenn man es begriffen hat. :-)
ACHTUNG: jetzt kommt ein kleiner Spoiler:

Aus Filmstarts.de ein kleiner Auszug:
In einer besonders herrlichen, doppelbödigen Szene wird Larry von einem Plattenverkäufer am Telefon genervt. Der Filius bestellte auf seinen Namen die neuesten Rock-Scheiben. Doch er selbst hat nie Santanas „Abraxas“ geordert und versucht daher verzweifelt, dem Anrufer klarzumachen, dass er nie einen „Abraxas“ hören werde. Hartnäckig wehrt er sich gegen Santanas Album und bestätigt so unterbewusst seinen jüdischen Glauben, indem er Abraxas, dem höchsten Gott der Gnostiker, eine Absage erteilt.

Das ist nur ein Beispiel von mehreren Dingen, die in dem Streifen vorkommen.

Quelle: www.cnycentral.com

Quelle: www.cnycentral.com

Generell haben die Coens den Film komplett auf jüdischen Schauspielern aufgesetzt, was für mich eine herrliche Besetzung ergibt. Sari Lennick, die die Frau von Larry spielt (siehe Bild), ist bisher kein bekanntes Gesicht im Film, aber das muss sich unbedingt ändern. Die Frau hat für mich eine wahnsinnige Präsenz gehabt, allein schon durch den Blick, den die Gute drauf hat. :-)

Außerdem ist Michael Stuhlbarg (Larry) ebenfalls sehr gut gewählt worden. Seine Mimik war einfach großartig. Er wirkt im ersten Augenblick wieder typische 08/15 Typ, ist aber ansich ein kleiner Held in dieser Story. Denn er erduldet irgendwie alles so, dass es nicht nach aufgeben aussieht, sondern eher nach hinnehmen. Man kann es ja wohl eh nicht ändern. ABER: er will verstehen und macht sich daher auf die Sinnsuche. Die ist auch nötig, denn man fragt sich als Zuschauer, was zum Himmels Willen ein Sy Ableman (siehe Bild oben) an sich hat, dass Larrys Frau zu diesem Kerl abwandert.
Zu Beginn des Films gibt es ein entsprechendes Zitat, welches sagt, dass man in Demut erdulden sollte. Das tut er nicht so ganz, aber fast.

Ebenfalls zu Beginn gibt es eine Szene, die ich schlichtweg nicht deuten kann. Falls jemand den Film sieht, kann er/sie mir hier gerne erklären, was es mit dem Paar und dem Dibbuk am Anfang auf sich hat. Mir stellen sich da lauter ??????
Und so ähnlich ist es mit dem Ende, denn das bleibt offen und bietet Raum für Spekulationen. Sehr schön. Nix ist ätzender, wenn nach einem guten Film ein mieses, langweiliges Ende kommt.

In Summe ist das wieder ein gutes Stück Film und bekommt von mir eine 2-, die IMDB sagt 7,6, wir sind uns also einig. :-)
Fast hätte ich noch vergessen zu erwähnen, dass die Musik auch wieder ausgezeichnet gewählt ist. Das muss man schon dazu sagen. :-)
Und wer mal gucken will hinter welcher Coen-Figur man sich wiederfindet, der klickt mal hier bei Moviepilot.

Zitat aus “The Big Lebowski”:
“Es gibt Tage, da frisst man den Bären und Tage, da wird man vom Bären gefressen.”

Hinterlasse eine Antwort