Meine persönliche Hölle

von Rooby  /  in Kategorie: Milch + Zucker

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Könnt ihr euch eigentlich vorstellen, wie schlimm man sich vor einer Prüfung fühlen kann? Vermutlich ja, denn den meisten Leuten ist das Problem “Prüfungsangst” vertrauter, als ihnen lieb ist. Bis Freitag kannte ich das nicht.

Ich bin nie gut in der Schule gewesen, immer eher Durchschnitt. Bin sogar einmal sitzen geblieben, hab dann aber einen guten Abschluss gemacht, mit der Option auf’s Gymnasium wechseln zu können, um dann irgendwann zu studieren. Ok – ich war jung und doof, ich hab’s nicht getan. Heut bereu ich das. Aber ich war zumindest dann irgendwann direkt nach der Schule so schlau, dass ich mich um mein Vorankommen gekümmert habe.
Jede Prüfung, die ich ab da machen musste, ging im ersten Anlauf durch. Führerschein, erste Ausbildung, Weiterbildung im ersten Job, zweite Ausbildung, Weiterbildung im zweiten Job. Der zweite Job ist immer noch der aktuelle. Ich bin IT-Manager. Und das seit Jahren inzwischen.

Ich hab für meine Weiterbildung ein paar Trainings gemacht, jedesmal mit Prüfung am Ende. Alle sind einwandfrei gelaufen. Egal was kam, ich habs mit einem Fingerschnipp erledigt. Bis letztes Jahr im November. Da hatte ich ein IT-Training, wieder mit Prüfung am Ende. Und diesmal bin ich durchgefallen. Ich hatte dazu ja schon was geschrieben. Das Gefühl dazu war zum kotzen. Ich war sauer auf mich selbst und hab ein bißchen an meinen Fähigkeiten gezweifelt. Die Umstände waren aber auch echt enorm schlecht, denn es kamen lauter blöde Sachen zusammen.

Mein Freund und ich hatten kurz vorher Schluss gemacht. Ich finde zwar, dass das kein Grund ist, um eine Prüfung nicht zu schaffen, aber andere um mich rum sahen das anders. Hmm…ok.
Dann hatte ich trotz rechtzeitiger Anmeldung zum Training, einen Monat vorher, das nötige Lehrbuch nicht erhalten, weil der Dienstleister, über den wir buchen müssen, meine Anmeldung tatsächlich erst 5 Tage vor Beginn durchgeführt hat. Der Trainingsanbieter konnte das zeitlich nicht mehr regeln. Ich kam also da an, alle hatten ein Buch auf dem Tisch liegen und hatten ein schön gedrucktes Namensschild. Mein Tisch war leer und ich hatte ein von Hand bekritzeltes Namensschild. Auf Nachfrage, ob ich denn auch so ein Buch erhalten könnte, sagte man mir dann, dass ich das doch vorher zugeschickt bekommen hätte und dass ich das als Vorbereitung unbedingt hätte lesen müssen. So war das auch, denn der reine Lehrinhalt, der dann im Training vermittelt wurde, setzte auf Vorwissen (über das Buch) auf.
Ende vom Lied war also, dass in dieser Prüfung durchgefallen bin. Mir fehlten zwei Punkte zur Mindestpunktezahl.

Als die Auswertung stattgefunden hat, das war gleich vor Ort, wollte ich nicht glauben, dass ich durchgefallen bin. Ich hab erst noch Scherze mit der Trainerin gemacht, dass sie mich doch bestimmt nur auf den Arm nehmen möchte. Denn im Training selbst und bei den Musterprüfungen, bin ich sauber durchgegangen. Aber es war wirklich wahr. Und für mich war das ein echter Schock.
Ich war kaum Zuhause angekomen, da fing ich an zu heulen. Wie ein kleines Kind. Vor Wut, vor Enttäuschung, vor Frust über alles Schlechte, was mir in der letzten Zeit so passierte. Im Artikel “Beschissener kann mein Leben nicht laufen” hatte ich das schon grob zusammengefasst.

Da das aber eine Schulung war, die es in sich hatte, die Durchfallquote liegt bei 80%, gab es vom Trainingsanbieter schon automatisch die Möglichkeit, dass man eine zweite, kostenfreie Prüfung machen darf. Also wiederholte ich so schnell es ging, um das sauber abschließen zu können. Und fiel noch mal durch. Und diesmal war es ganz klar mein eigener Fehler, ich konnte es keinem anhängen. (Was ich auch schon im ersten Fall nicht getan habe, aber mein Umfeld wollte es mir leichter machen und fand eine Entschuldigung nach der anderen, nur eben nicht meine Unfähigkeit.)
Ich saß also in der zweiten Runde, packe das Prüfungspaket aus und erhalte die gleiche Prüfung noch mal. Ich dachte ich guck nicht richtig. Eins zu eins die gleiche.  Es gab eine 50:50 Chance, dass ich das andere Prüfungspaket erhalte, aber nein – ich krieg die selben Fragen. Also ging es in meinem Kopf los, dass ich ja jetzt was anders machen muss. Ich wußte ja nicht, was ich in der ersten falsch gemacht hatte, also dachte ich “na gut – guck mal, was dir komisch vorkommt und triff eine andere Wahl bei der Antwort”. Und das Ergebnis war, dass ich noch schlechter durchfiel, als beim ersten mal. Ich hab echt an meiner Denkfähigkeit gezweifelt. Ich war verunsichert und wiederum sauer auf mich selbst.

Mein Chef war der Meinung, dass ich die Prüfung nicht ablegen muss, wenn ich nicht will. Er wüßte auch so, dass ich meinen Job beherrsche. Fand ich ja toll, aber für mich persönlich geht das gar nicht. Die Prüfung muss gemacht werden.

Ich hab also beim Trainingsanbieter angerufen und mich mit der zuständigen Dame unterhalten. Sie meinte u.a., dass sie Leute für diese Prüfung hat, die die zum 5. mal machen. Aber das find ich schlimm, ehrlich gesagt. Und sie meinte, dass es genau die Leute sind, die damit ansich schon arbeiten, die es gerne mal in der Prüfung verhauen. Und ich arbeite tatsächlich seit Jahren in dem Thema “ITIL – Service Operation” . Wie auch immer – ich hab mir ein drittes Paket gebucht, aber diesmal statt in Deutsch, in Englisch. Denn die Originalsprache der Themen ist nun mal Englisch.

Am Freitag war die Prüfung. Ich musste noch arbeiten an dem Tag, zu 15 Uhr sollte ich in der Schulungsstätte sein. Und mitten drin im Tag fing es an. Mir wurde schlecht, ich war nervös. Ich hab nur noch “nicht noch mal durchfallen” im Kopf gehabt. Ich konnte mich auf meinen anderen Kram nicht konzentrieren, war fahrig und hibbelig. Dazu kam dann, dass ich das ja gemerkt habe und mich gewundert habe, was da gerade mit mir abgeht. Da fall ich einmal (bzw. zweimal) im Leben durch eine Prüfung und schon werd ich ängstlich und unsicher? Rückschläge anderer Art kann ich ansich ganz gut verdauen, daher war das schon ungewöhnlich für mich.
Vor Ort in Frankfurt angekommen, musste ich warten. Das Team, mit dem ich gemeinsam schreiben würde, war noch im Unterricht. Ich saß da, der Magen rebellierte und ich wäre am liebsten wieder gegangen. Es war zum kotzen. Und in dem Moment taten mir alle Menschen auf dieser Welt leid, die das IMMER haben. Was muss das für eine Belastung sein, wenn man weiß, dass man vor einer Prüfung so abgeht? Da wird doch der ein oder andere eventuell auf Weiterbildung sogar ganz verzichten, weil er sich dem nicht stellen will. Und das was ich wahrgenommen habe, war mit Sicherheit noch mal weit entfernt von dem, was andere schon Tage vorher durchleben. Ich kann es ja nur ahnen, aber für mich war das schon Hölle.

Das wird mich allerdings nicht davon abhalten, weiter zu machen. Ich will nämlich den ITIL Expert  machen. Und dafür kommen noch mal ein paar von den Dingern auf mich zu, ich bin nämlich erst am Anfang. Aber ich hoffe sehr, dass mir sowas nicht noch mal passiert, zumal ich ab sofort eh jede Prüfung lieber in Englisch machen werde. Ich bin nämlich letztendlich im dritten, englischen Anlauf durchgekommen. :-)

Zitat aus “300″:
“Unsterbliche – sie bestehen die Prüfung unseres Königs nicht. Und ein Mensch, der sich für einen Gott hält, spürt, wie ihm ein allzu menschlicher Schauer über den Rücken läuft.”

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3 Reaktionen zu “Meine persönliche Hölle”

  1. Axisdude meint am:

    Prüfungsangst ist echt eine üble Sache, die einem viel vermiesen kann. Zudem lässt sie nicht zu, dass wir unser volles Potential unter Beweis stellen können.

    Aber nun kannst du aufatmen und gestärkt bist du aus der Sache auch herausgegangen :)

  2. Rooby meint am:

    Das stimmt. Aber was mich sehr erstaunt hat ist, wie viele Menschen Prüfungsangst ganz unterschiedlich erleben. Ich hab ja auch in meinem direkten Umfeld was dazu gesagt, wie es mir ging und plötzlich erzählen alle freiwillig, wie kacke das ist und wie es sich für sie selbst anfühlt. Spannend. Auch deswegen, weil es Leute trifft, bei denen man sowas nicht vermuten würde.

  3. Klara meint am:

    Juhuuuu. Prüfung bestanden: Herzlichen Glückwunsch :)

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