Was so manche Diskussionen bei mir verursachen

 

Ich hab noch nie rassistisch gedacht. Mein ganzes Leben lang nicht. Ich hatte nämlich das Glück, dass meine Eltern mich “richtig” erzogen haben. Und dass ich kein ängstlicher Mensch bin. Wir wissen ja, dass Angst sowas wie Rassismus schürt. Oder auch Dummheit. Die kann das auch gut. Aber ich bin zum Glück auch nicht ganz doof, daher kann ich die graue Masse in meinem Oberstübchen recht gut nutzen. Meistens zumindest. Aber heute ist was in meinem Kopf passiert, was mich nachdenklich macht.

 

Ich hab nach Klamotten geguckt, für den Job. Ich bin über eine Werbung auf eine “Black & White” Kampagne gekommen, die dann wie folgt aussieht:

 

 

Im Vergleich dazu sieht die Kampagne “Herbst-Special” so aus.

 

 

Wie man unschwer erkennt, kommt die dunkelhäutige Frau zwar auch im Herbst vor, allerdings sind das nur die Bilder aus der “Black & White” Übersicht. Und jetzt kommt das, was mich so nervt. Ich muss darüber nachdenken, ob das eventuell einen diskriminierenden (ich will keinesfalls rassistischen sagen) Aspekt hat. Ich behaupte mal “nein”, aber irgendwie kann ich mir sehr viele Aufschreie im Netz vorstellen.

Früher wäre ich niemals auf die Idee gekommen, sowas zu vermuten. Ich hätte allerdings auch keinen Gedanken daran verschwendet, ob man das dunkelhäutige Model jetzt nur aufgrund ihrer dunklen (black) Hautfarbe zu dieser Kampagne “Black & White” ausgewählt hat, bzw. ob das dann damit automatisch diskriminierend ist. Ich seh das nämlich nicht so. Ich sehe hier eine hübsche Frau, die gut in die Kleidung passt. Aber weil einem ständig und überall, nicht nur in Sachen Rassismus, irgendwas vor den Latz geknallt wird, seh ich plötzlich solche Dinge und verliere dabei die Leichtigkeit des Seins, wenn man so will. Denn plötzlich wird etwas völlig Normales (aus meiner Sicht) zu etwas Negativem. Und das will ich nicht.

 

So geht es mir auch in Sachen Feminismus, Geschlechterdiskussion generell oder sonst einer Thematik, die sich auf irgendeine Gruppe von Menschen bezieht. Ich hab schon immer nach dem Motto “Leben und leben lassen” agiert, gedacht und gelebt. Mir ist egal, wer homo, hetero oder transsexuell ist. Mir ist egal, ob du ein Mann oder eine Frau bist, wenn ich mit dir rede, mit ist egal, ob du Katholik oder Moslem bist, mir ist egal, ob du weiß oder grün bist. Es ist mir nicht wichtig. Wichtig war bisher immer der Mensch.

Und jetzt fühl ich solche Auswirkungen, weil ich zugetextet werde mit Themen, die mich persönlich gar nicht betreffen. Die aber mein Denken plötzlich negativ beeinflussen. Ich bin nicht mehr unbefangen. Und das gefällt mir nicht.
Allerdings weiß ich gerade auch nicht, wie ich das generell nehmen soll. Denn die Diskussionen zu den eben genannten, und mit Sicherheit noch viel mehr, Themen sind wichtig. Es gibt ja leider genug Trottel, die nicht so offen sind, die eben sehr wohl rassistisch oder sonst wie diskriminierend denken. Und klar muss man denen Kontra geben und gleichzeitig Aufklärung betreiben.

Aber es fühlt sich für mich persönlich zumindest so an, als würde ich ein Stück Freiheit in meinem Kopf verlieren, weil zu viele anderen Schranken im Kopf haben. Und das mag ich nicht.

 

Zitat aus “I, Robot”: ”Vorurteile sind immer ein Mangel an Vernunft!”

 

 

 

8 Kommentare zu “Was so manche Diskussionen bei mir verursachen”

  1. marco sagt:

    Danke! 100% ack. Wo ich früher als eigentlich toleranter, neutraler Mensch keine Probleme hatte, generiert die Diskussion bei mir ebenfalls welche. Schade, läuft dann wohl unter ‘Collateral Damage’

  2. Jule sagt:

    Hallo mein altes Linchen ;-)

    (Ich kann die Alterswitze nicht lassen, weil du dich so süß darüber aufregst ;-))

    Mir fehlt in der Black & White Kampagne das weiße Model. Die Klamotten sind Black & White. Das schwarze Model ist da. Das weiße Model fehlt. WENN es also einen diskriminierenden Hintergrund hat, dann gegen das weiße Model. Schließlich gibt es das auf der Seite nicht. ;-)

    Aber dir gehts ja nicht primär um die Kampagne, sondern um den Verlust deiner Leichtigkeit, Unbefangenheit und Freiheit. Ich würde mal behaupten, lass mich aber auch gern vom Gegenteil überzeugen, dass diese Leichtigkeit, Unbefangenheit und Freiheit reiner Luxus ist und damit zutun hat, dass du nicht davon betroffen bist. Du hast weder eine schwarze Hautfarbe, noch macht dir Sexismus etwas aus UND du bewegst dich in einem relativ toleranten Umfeld. Widerspreche mir, wenn ich falsch liege. Aber ich wage zu behaupten, dass schwarze Menschen, die ein Leben lang mit dem Unterschied zur Mehrheitsgesellschaft konfrontiert werden, schon vor langer langer Zeit die Leichtigkeit und Unbefangenheit aufgegeben haben bzw. sie erst wieder zurückbekommen haben, als sie sich mit diesem Missstand in unserer Gesellschaft abgefunden haben. Denn seien wir doch ehrlich. Nur weil es für dich, mich und ein Großteil der Bevölkerung bisher kein Thema war, ist es dennoch ein Thema unserer Gesellschaft. Unsere Eltern, unser Umfeld, unsere Einstellung sind eben nicht repräsentativ für die deutsche Bevölkerung. Leider.

    Ich will nicht zu sehr ins Detail gehen: Mein Gewicht kann man nun wirklich nicht mit der Hautfarbe eines Menschen vergleichen, aber wenn Menschen mit dunklerer Hautfarbe nur ansatzweise die Erfahrungen mit Fremden durchmachen mussten, die ich wegen meinem Gewicht durchmachen musste, dann kann ich dir versichern, dass ihre Unbefangenheit und Leichtigkeit seit Ewigkeiten verschwunden sind. Wie gesagt, diesen Luxus können sich nur die leisten, die nicht direkt davon betroffen sind bzw. nicht über Freunde und Bekannte mit diesen Erfahrungen konfrontiert wurden. So leid es mir da um deine Lockerheit tut – das meine ich ehrlich – ich finds gut, dass es diese Diskussionen gibt und diese Diskussionen den Rest der Gesellschaft auf diese Missstände aufmerksam machen. Darüber, dass diese Diskussionen mehrheitlich schlecht geführt werden und genau das Gegenteil bewirken, müssen wir nicht reden. Die Sexismus Debatte z.B. ist viel zu emotional hochgekocht, dass da etwas Sinnvolles bei rauskommen könnte. (Trotzdem lass ich mir nicht ausgerechnet von Männern sagen, dass diese Debatte unsinnig ist ;-))

    Es ist wichtig, dass die, die nicht von Rassismus, Sexismus und den ganzen anderen -ismen betroffen sind, mitbekommen, dass es diese ganzen ismen gibt. Besonders bei Rassismus und Antisemitismus ist es – meiner Meinung nach – wichtig, dass wir uns deren Existenz bewusst werden, auch wenn wir davon nicht betroffen sind. Deshalb können diese Diskussionen so nervig sein, wie sie wollen. Sie müssen leider geführt werden und die Konsequenz ist eben, dass wir uns über ein paar läppische Bilder auf einer Seite solche Gedanken machen. ;-)

    lg Jule

  3. Rooby sagt:

    @marco: Könnte man gut so ausdrücken, ja.

  4. Rooby sagt:

    @Jule: Ich sag ja gar nicht, dass es nicht diskutiert werden muss, schreibe ich zum Schluss ja auch. Aber ich muss dir Recht geben, ich hab vermutlich enorm viel Glück in meinem Leben gehabt. Und mir ist ganz klar, dass andere nicht dieses Glück haben oder hatten.
    Für mich geht es nur um den ganz persönlichen Nebeneffekt. Mir ist schon bewusst, dass ich das nicht ändern kann und dass es keine Sau interessiert, dass ich damit einen negativen Effekt habe. Aber für MICH, und nur darum geht’s in dem Text, für MICH hat das einen wahnsinnig großen Effekt, der mir nicht gefällt. In meinem Leben ist das eine spürbare Veränderung, die ich nicht gut finde und nur das wollte ich damit beschreiben.
    Jeder, der gegen Ungerechtigkeiten, Diskriminierung etc. vorgeht, unterstütze ich. Ich mach ja selbst mit dabei, ich guck ja nicht zu. Ich mach es glaub ich nur “sanfter”. :-)

    Und du darfst übrigens jeden Witz machen, der dir einfällt. Ich mag dich in deiner ganzen Leibesfülle. Und ich mag böse Scherze. Also komm nur… :-)

  5. Ich wäre da eher hängengeblieben, weil da überhaupt eine schwarze Person vorkommt. Normal ist das ja bis heute nicht. Die Frage, ob die Frau nur deshalb ausgesucht wurde, weil es sich um eine “Black & White”-Kampagne handelt, ist durchaus berechtigt, schränkt mich aber in meiner Denkweise keinesfalls derart ein, dass ich nicht mehr frei denken könnte.

    Berechtigt ist die Frage, weil sich das Schema durch alle möglichen Lebensbereiche zieht. Ich denke dabei z.B. an die Sache mit dem Schlossparktheater (Warten auf Godot), als einer der beiden weißen Schauspieler schwarz angemalt wurde, weil man keinen Schwarzen im Ensemble hatte. Die Begründung auf Facebook war ja auch sinngemäß: Wir haben keinen Schwarzen, weil wir für Schwarze nicht genügend Rollen haben. Die Verwendung des Blackfacing mag evtl. gedankenlos gewesen sein, aber erst diese und ähnliche Begründungsversuche von Seiten des Theaters offenbarten tiefsitzende Vourteile. Im oben verlinkten Artikel ist auch ein Zapp-Beitrag über schwarze Schauspieler und die negativen Rollen, die ihnen zugedacht werden, zu finden.

  6. “Warten auf Godot”? Eigentlich meine ich “Ich bin nicht Rappaport”.

  7. Rooby sagt:

    @Ali Schwarzer: ja, diese Theaterstory ist ein dickes Ding. Als ob es so ein Problem gewesen wäre, einen Schwarzen zu engagieren. Den Zapp-Beitrag guck ich mir noch an. :-)
    Über das Buch (Deutschland Schwarz Weiß) hab ich inzwischen ja schon einen ganz anderen Blick auf viele Dinge. Dinge, die mir in der Tat nie klar waren, weil sie mich persönlich nicht betreffen. Das werde ich dann aber genauer im nächsten Podcast ausführen. :-)

  8. Ich bin gespannt. :) Hab übrigens ganz aktuell was zum Thema Einlasskontrollen geschrieben.

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