So schade Herr Olm, so schade

 

Mein allerbester Lieblingsadmin und -freund (@largewhiteguy auf Twitter) hat mir zum Geburtstag eine Freude gemacht und mir Karten für Hans Werner Olms Vorstellung in Frankfurt, in der Käs,  geschenkt. Der Titel der Vorstellung lautet “Mir nach, ich folge!“. Vorab sei schon mal gesagt, wir sind nicht gefolgt – wir (also ich) wären eigentlich sogar fast lieber gegangen. Aber bezahlt ist bezahlt und so haben wir uns das doch komplett angetan.

 

Ticket Olm

Ich sollte vorab erklären dass ich bisher noch nie bei ihm in einer Show war. Daher war mir nur ein Teil seines Programms, seiner Palette bekannt. Unter anderem aber z.B. das Stück mit dem BMW, was mich mal vor Lachen heulen ließ, weil es leider in der Tat den Klischee-Pott-Typen auf die Schippe nimmt. Und glaubt mir, ich weiß wovon er da spricht. Ich bin ein Dortmunder Kind. Guckt mal kurz rein, damit ihr wisst, was ich meine. Bis dahin fand ich das also soweit witzig.

Auch die Figur der “Luise Koschinsky” ist einigermaßen bekannt, die quasi das weibliche Pendant zu dem Prollo-Typen ist. Das war zwar noch nie so richtig mein Fall, aber nun ja…Geschmäcker sind ja bekanntlich (und zum Glück) verschieden. Damit ihr auch hier wisst, wer das sein soll – klickt hier oder hier.

 

Beide Rollen spielen natürlich mit dem übertriebenen Klischee vom Menschen im Ruhrgebiet (Ruhrpott -> Pott).
Die Sprache ist derb und laut, mitunter fäkal. Auf jeden Fall unterste Schiene. Die Posen sind raumeinnehmend und strotzen vor Testosteron oder Östrogen. Aber damit parodieren sie immer noch das Klischee. Und deswegen konnte ich das so “nehmen”.

H.W. Olm, Frankfurt

 

Gestern war anders. Oder auch nicht, kommt drauf an, wie man es sieht.

Die Sprache war immer noch fäkal, aber es gab keine Parodie, die dazu passte. Seine Art lag irgendwo zwischen niveaulos und darunter. Es gab im ganzen Programm, immerhin über zwei Stunden, nur 3 oder 4 wirkliche Gags, die intelligent waren und den ganzen Raum mit Lachen füllten. Das meiste lag irgendwo zwischen “ficken, bumsen und blasen” und “fressen, scheißen und pissen”. Entschuldigt die Wortwahl, aber ich kann es sonst nicht anders deutlich machen. Es war einfach so extrem niveaulos.

Jetzt kann man ja sagen “ok, das ist halt Teil des Pakets”, akzeptiere das als Stilmittel. Aber dann müsste wenigstens der Rest gut sein. Also eine roter Faden durchs Programm gehen oder einigermaßen intelligente Pointen oder ähnliches. Aber nein, auch hier versagt der einst mit Preisen ausgezeichnete “Comedian”.

 

 

Nicht nur, dass Teile des Programms pointenlos verpufften, es wurde wenigstens ein Drittel der Vorstellung Text abgelesen. Und nein, ich hab nichts gegen lesen, wenn es ein Teil für einen Gag ist.
Anfangs las er zum Beispiel vor, weil es da um sein Buch ging. Das war ok, weil er sich darüber ausließ, dass ja jeder ein Buch schreiben kann, die sowieso alle jünger werden und überhaupt, da müsste er das auch mal machen.

Aber das war gefühlt auch die einzige Stelle, wo es passte. Die Texte, die sonst noch gelesen wurden, hätten wesentlich besser gewirkt, wenn er sie einfach vorgemacht hätte, so wie andere Künstler das auch machen können. Ich hab keine Ahnung, ob das Absicht war oder ggfs. seinem Alter geschuldet ist, aber es wirkte wie gewollt und nicht gekonnt.

 

Meine eigentliche Ablehnung zu gestern ergab sich aber aus seinem wilden Gebashe gegen Frauen. Nein, ich hab nichts dagegen,wenn man auch hier mit Klischees spielt und witzige Pointen rausarbeitet, aber Hr. Olm hat für mich noch nicht mal das minimalste Gefühl von Versuch dazu durchscheinen lassen. Es ging einfach nur flach gegen jede Art von Frau. Also Ehefrau, vorzugsweise hässliche Ehefrau, fette Frauen, Muttis, “Grüne” Muttis, Lesben und muslimische Frauen.

Er zog doch auch über Männer her” werden jetzt vielleicht einige sagen, die das Programm gesehen haben. Aber ist irgendjemandem aufgefallen, dass er Männer trotz ihrer von ihm benannten Makel als die “Alphas” bezeichnete? Männer, die sich pflegen, die sich kümmern und sich gleichberechtigt gegenüber Frauen verhalten als Memmen darstellte? Aus seiner Sicht der Mann sozusagen domestiziert wurde, obwohl er doch eigentlich der sein sollte, der der Frau sagt, wo es lang geht und ihr ggfs. sogar mal Angst einjagen dürfte? [Das mit dem Angst einjagen kam wirklich vor, ich weiß nur leider den Wortlaut nicht mehr. Es hat mich aber kurz innerlich zucken lassen.]

Den Mann stellte er bei aller vermeintlicher Kritik immer in all seiner unvollendeten Herrlichkeit dar, klar. Er ist ja einer. Und er will einer bleiben. Hat er ganz deutlich gemacht. Er macht das ja nicht mit. Ja was eigentlich? Den sozialen Wandel?

 

Man hat gemerkt, dass er es nicht geschafft hat im Heute anzukommen.
Die eine Hälfte, vornehmlich älteres Kaliber, lachte und johlte bei Witzen über Schwule und Lesben, Muslime und deren verschleierte Frauen. Mir wurde ja innerlich echt übel bei so mancher Tirade. Und mit mir  auch meinem Freund und ca. der Hälfte des Saals. Der Applaus war dünn, die Lacher schwach. Nur die ewig Gestrigen hatten “Spässken” und konnten sich auf die Oberschenkel schlagen. Ich bekam sogar sowas wie Mitleid, als er seine, für mich sehr verbittert klingende, Ode an den Mann zum Besten gab. Ich hatte spontan das Gefühl, dass er schlechte Dinge erlebt hat, die ihn so reden ließen.

Tatsache war auf jeden Fall, dass mir das zu sehr offen gegen Frauen war, zu sehr für den ach-so-tollen Mann und zu wenig Intelligenz bei all dem. Dabei kann er parodieren, er kann singen, er kann reden. Wo ist gestern das ganze Talent geblieben? Schwache Vorstellung.

 

Schade Herr Olm, so schade.
(Zitat aus seinem Programm: “Das find ich ja schade, so schade”)

 

 

 

Hennes Bender ist eine Diva

Am Samstag Abend war Comedy angesagt. Hennes Bender war in Wiesbaden, um genau zu sein im Pariser Hoftheater.

Die Show sollte um 19.30 Uhr losgehen und ich war mit meiner Freundin Klara verabredet, um vorher noch was zu essen. Weil ich vor ihr da war, wollte ich schon mal die vorbestellten Karten abholen und die gab’s im hauseigenen Restaurant. Dort saß ein junger Mann in der hintersten Ecke und hat die Karten verwaltet und telefonisch noch Dinge geregelt. Einen Tisch daneben saß Hennes Bender.

Quelle: etainme.de

Quelle: etainme.de

Ich kam rein, ging zu dem telefonierenden Typ rüber und wartete, dass ich meine Tickets von ihm bekomme. Hennes Bender stand derweil auf, ging zur Kellner-Maus und meinte zu ihr: “Ich geh noch mal für ‘ne halbe Stunde ins Auto”. Sie antwortet: “Wieso denn? Sie können gerne bei uns bleiben, ist  doch kein Problem.” Er etwas zickig: “Neee…das ist hier viel zu laut. Ich muss hier raus.”.

Hmm….es saß genau ein Mensch dort, der wirklich nicht laut telefonierte und ich stand schweigend vor dessen Tisch. Der Rest des Restaurants war noch komplett leer. Aber gut – so eine Stille im Raum kann ja auch ganz schön laut sein. ;-)
Wie auch immer – Hennes saß dann am anderen Ende des Restaurants und war zu Beginn seiner Show wieder der, den wir kennen. Der kleine Typ aus’m Pott, mit der großen Fresse und mit spitzen Unterhaltungswert :-)

Zitat aus “Ace Ventura”:
“Die Show, die Sie da vorhin abgezogen haben, war absolut beeindruckend!” – “Das brauchen Sie mir nicht zu erzählen. Ich war doch anwesend.”